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»Es ist normal,
verschieden zu sein«
(Richard von Weizäcker)

 

Zur Gleichstellung ist es noch ein weiter Weg

Behinderte sind Teil der Gesellschaft, lautete die Intention des gestrigen Gleichstellungstages für Menschen mit Behinderung, der in ganz Europa begangen wurde. In Aalen haben sich deshalb Behinderte und Nichtbehinderte vor dem evangelischen Gemeindehaus getroffen. Das Schöne vorneweg: Man war unter sich, jeder kannte fast jeden, es wurde geplauscht und gelacht.

Das Schöne vorneweg: Man war unter sich, jeder kannte fast jeden, es wurde geplauscht und gelacht. Weniger schön war freilich, dass man gerade dies nicht wollte. Öffentlichkeit schaffen, aufmerksam machen, zeigen, da sind Menschen wie du und ich, nur ein Handicap unterscheidet sie. "Eigentlich wollten wir mit der Aktion ins Rathaus, sozusagen mittenrein ins Leben", betonte der stellvertretende Geschäftsführer des Samariterstifts, Friedhelm Boderke. Doch daraus wurde nichts, weshalb die Aktion in die Nachbarschaft zum Reichsstädter Markt ziehen musste. Nur hier, abseits des Geschehens war kaum Publikumsverkehr. Wer vorbeikam, nahm keine Notiz oder beäugte die Gruppen im Vorübereilen. "Viele, die wir ansprechen, zeigen kein Verständnis für die Probleme behinderter Menschen", meinte Boderke nachdenklich.

Interesse vermisst er oder wenigsten Fragen, die gestellt werden. Dass Behinderte nicht benachteiligt werden dürften, dass sie "irgendwie" dazugehörten, darüber seien sich die meisten einig, doch persönlich mieden sie Kontakte. "Obwohl doch Behinderungen jeden treffen können. - Nach angeborenen Behinderungen kommen viele durch Unfälle oder Krankheit zustande."

Die Betroffenen und ihre Begleiter nahmen die Teilnahmslosigkeit ihrer Mitmenschen gelassen. Sie freuten sich an der Musik, an Gesang und Tanz. Insbesondere der "Tanz der Rollstuhlfahrer" (Körperbehindertenverein Ostwürttemberg) wurde fleißig beklatscht, aber auch die lebensfrohen Lieder der Gruppe "Happy People" (Samariterstift Neresheim und Bopfingen). Die 20 Musiker und Sänger servierten den "Kleinen grünen Kaktus", "He's got the whole world in his hands" und sangen "Wir wollen aufstehen und aufeinander zugehen." Genau so hatte sich Volker Enser von der Lebenshilfe den Tag vorgestellt: "Der Gleichstellungstag ist für uns der Höhepunkt des Jahres, gerade weil wir von einer realen Gleichstellung noch weit entfernt sind."

Aktionen machen aufmerksam

Manchmal bedarf es aber anderer Aktionen, um Aufmerksamkeit zu erzielen. So besuchten vor fünf Jahren Gruppen behinderter Menschen gemeinsam die Cafés der Stadt, vor drei Jahren zogen sie gemeinsam mit den "Wasseralfinger Schluddagugga" durch die Stadt, um den Gleichstellungstag ins Bewusstsein zu bringen. "Obwohl wir seit zehn Jahren mehrere selbstständige Wohngruppen mit behinderten Menschen in der Stadt unterhalten und die Bewohner Teil ihres Wohnumfeldes geworden sind, ist eine übergreifende Teilhabe am gesellschaftlichen Leben noch längst nicht erreicht", erklärt Boderke - wohl wissend, dass noch ein langer Weg bevorsteht und es noch vieler Gleichstellungstage bedarf, um Menschen mit Behinderung gänzlich in das normale Leben zu integrieren.

(Aalener Nachrichten)