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»Es ist normal,
verschieden zu sein«
(Richard von Weizäcker)

 

Menschenkette um das Landratsamt

Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am Donnerstag, 5. Mai – Thema ist Inklusion

Mittendrin statt nur dabei – so könnte man die „Inklusion“, lateinisch „Einschluß“, von Menschen mit Behinderungen umschreiben. Anlässlich des diesjährigen Protesttages zur Gleichstellung dieser Menschen am Donnerstag, 5. Mai unter dem Motto „Inklusion beginnt im Kopf“ wird sich auch das Aalener Aktionsbündnis diesem Thema widmen. Geplant ist eine Menschenkette um das Landratsamt. Mitmachen darf und soll jeder.

„Die Menschen waren voll Euphorie dabei“, erinnert Lebenshilfe-Geschäftsführer Volker Enser an die Menschenkette zum letztjährigen Protesttag. Deshalb wolle das Aktionsbündnis aus Lebenshilfe, Samariterstiftung/Behindertenhilfe Ostalb sowie dem Körperbehindertenverein Ostwürttemberg diese Aktion wiederholen. Diesmal sei allerdings geplant, das Landratsamt zu umrunden. „Das ist die zentrale Anlaufstelle für Menschen mit Behinderung“, erklärt Helmut Dufek vom Körperbehindertenverein. Ob Anträge oder Genehmigungen, seit 2005 sei das Landratsamt für die Hilfe für diese Menschen zuständig: „Dort existieren sie als Bittsteller, als Akte“, ergänzt Gisela Graf-Fischer von der Samariterstiftung.

Die normale Teilhabe von Menschen mit Behinderungen an allen Lebensbereichen umzusetzen, ist Ziel der Inklusion. Festgeschrieben ist diese in der UN-Behindertenrechtskonvention, die die Bundesregierung 2009 ratifiziert hat. Nach deren Definition bedeutet Inklusion, dass sich nicht der behinderte Mensch anpassen muss, damit er in der Gesellschaft dabei ist. Sondern die Gesellschaft muss sich mit ihren Strukturen anpassen und Menschen mit Behinderungen erst gar nicht ausgrenzen.

Dass man mit der Umsetzung dieses Zieles noch ganz am Anfang steht, wissen auch die Mitglieder des Aktionsbündnis: „Noch leben die meisten Menschen mit Behinderungen separat in einer speziellen Einrichtung“, so Helmut Dufek. Das liege aber nicht nur daran, dass diese leichter zu verwalten seien als individuelle Lösungen: „Aber es gibt beide Seiten. Manche Angehörige haben auch die Sorge, dass beispielsweise ihre behindertes Kind in einem Regelkindergarten unter die Räder kommt.“ Dagegen kenne man „seine“ Einrichtung, wisse, dass es dort Leute mit Erfahrung gebe, erklärt Volker Enser.

Einrichtungen wie Schulen oder Kindergärten seien auf die Inklusion aber häufig auch nicht vorbereitet, beispielsweise in punko Barrierefreiheit: „Das scheitert am Personal, der Ausstattung und letztendlich auch am Geld“, so Dufek. In der Schule könne Inklusion durchaus bedeuten, dass ein Mensch mit Behinderung ganztägig einen Betreuer brauche. „Das ist natürlich ein Kampf, so etwas finanziert zu bekommen.“ Oft gebe es bei den zuständigen Stellen eine Distanz zum Antragsteller. Noch existiere in vielen Köpfen die Idee, dass „Behinderung ein Privileg ist, um Leistungen abzugreifen“, so Dufek.

Mit der Menschenkette um das Landratsamt will das Aktionsbündnis also dort aktiv werden, wo die Wege für die Inklusion geebnet werden können. Los geht es um 9.30 Uhr vor dem Haupteingang, ab 10.15 Uhr soll die Menschenkette gebildet werden. „Um 10.30 Uhr hoffe ich auf das Signal, dass das Landratsamt umzingelt ist“, so Volker Enser. Dort sei man mit der Idee übrigens mit offenen Armen empfangen worden.

(dot)