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»Es ist normal,
verschieden zu sein«
(Richard von Weizäcker)

Aalener setzen sich für Barrierefreiheit ein

Vor dem Rathaus machen sie auf die Gleichstellung für Menschen mit Behinderung aufmerksam

Dem Aufruf des Körperbehindertenvereins Ostwürttemberg, der Lebenshilfe Aalen und der Behindertenhilfe Ostalb (Samariterstift) zur „Aktion Mensch“ sind am Samstag trotz Nieselregens zahlreiche Aalener gefolgt. Sie alle waren vor das Rathaus gekommen, um inmitten des Wochenmarkts auf den europäischen Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung aufmerksam zu machen. Auch wenn die Anwesenden zahlenmäßig ihrem Wunsch nach einer geschlossenen Menschenkette rund ums Rathaus nicht ganz erfüllen konnten, das Interesse der Marktbesucher war ihnen jedenfalls gewiss.

Jede Barriere sei eine Zumutung und müsse beseitigt werden, so der Tenor, der sich in den Reden und auf Plakaten widerspiegelte. Gemeint waren räumliche Stolpersteine ebenso wie sprachliche. Es gelte, die Barrieren im Kopf abzubauen, um Menschen mit Behinderung als gleichwertig akzeptieren zu können. „Wir Behinderte werden oft als Dumme wahrgenommen“, beklagte sich Herbert Setzer. „Aber wir wollen wie andere Menschen einfach nur dazugehören – im Beruf, in der Nachbarschaft und in der Gesellschaft. Wir wollen jedoch keine Hilfe aus Mitleid, sondern gleichberechtigte Anerkennung.“ Einen unverkrampften Umgang mit Behinderten, forderte deshalb Michael Schubert (Samariterstift). Jede Barriere sei eine zu viel. In gemeinsamen Aktionen von Menschen mit und ohne Behinderung sollten sämtliche Hindernisse beseitigt werden. Lob zollte der Redner der Stadt für deren Engagement, beispielhaft nannte Schubert die Gründung des Beirats für Menschen mit Behinderungen.

Dass körperliche oder geistige Behinderungen jeden treffen können, darauf verwies Oberbürgermeister Martin Gerlach. In der Vergangenheit hätten Stadtplaner und Architekten gedankenlos Barrieren errichtet, obwohl gerade in der Nachkriegszeit Kriegsinvalide auch in Aalen das Bild in der Öffentlichkeit geprägt hätten. Die Infrastrukturen barrierefrei zu gestalten, sei heute eine der großen Herausforderungen. „Uns stehen diesbezüglich auch künftig noch viele Aufgaben bevor.“

(kul / Aalener Nachrichten)