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»Es ist normal,
verschieden zu sein«
(Richard von Weizäcker)

Gleichstellungstag 2013

Eine Kette wirbt fürs Miteinander

Gut besuchter Gottesdienst am Gleichstellungstag

Eine Menschenkette hat am Sonntagvormittag die Aalener Stadtkirche umzingelt. Rund 250 Menschen mit und ohne Handicap haben am europäischen Protesttag zur Gleichstellung unter dem Motto „Ich bin entscheidend“ nach einem fröhlichen Gottesdienst damit auch ein nach außen sichtbares Zeichen gesetzt.


Der Kreis um die Aalener Stadtkirche schließt sich, das Signal ist gesetzt. Am europaweiten Tag der Gleichstellung haben Menschen mit und ohne Behinderung für mehr Teilhabe geworben. (Foto: opo)

„Herzlich willkommen“ singt am Sonntag in der Aalener Stadtkirche die Band des Samariterstifts „Happy people“ zum Auftakt des Gottesdienstes. Der steht ganz im Zeichen der Gleichstellung. An diesem 5. Mai soll europaweit aufmerksam darauf gemacht werden, dass es Menschen gibt, die sind wie du und ich – nur mit einem Handicap. So feiern dann auch rund 250 Gäste gemeinsam einen fröhlichen, bisweilen auch nachdenklichen Gottesdienst mit vielen Liedern, wie „Aufstehn, aufeinander zugehn“ oder „Geh unter der Gnade“. Aktion in die Kirche bringt auch das Anspiel „Entschleunigung im Samocca“.

Höhepunkt der gemeinsamen Feier ist allerdings am Ende die Menschenkette. Die soll sichtbares Signal sein für die Teilhabe der Behinderten an der Gesellschaft. Nach dem Rathaus und dem Landratsamt in den vergangenen Jahren soll nun die Stadtkirche inkludiert werden. Dazu fassen sich die rund 250 Gottesdienstbesucher – behinderte und nicht-behinderte – an den Händen und schließen den Kreis um die Kirche im Herzen der City.

„Es klappt!“, freuen sich Volker Enser von der Lebenshilfe und Helmut Dufek vom Körperbehindertenverein Ostwürttemberg. Beide Vereine haben gemeinsam mit der Samariterstiftung Behindertenhilfe Ostalb zu der Aktion am Gleichstellungstag aufgerufen.

„Seit über 15 Jahren existiert unser Aktionsbündnis“, betont Volker Enser in seiner Ansprache während des Gottesdienstes. Es seien viele Forderungen formuliert worden, vieles habe sich verändert. „Doch was in einem Gesetz steht und wie die Wirklichkeit aussieht sind Zweierlei“, stellt Enser fest. Zwar seien die Menschen mit Handicaps auf dem Weg in die Gesellschaft, aber noch lange nicht dort angekommen. Der Geschäftsführer der Lebenshilfe kritisiert, dass Behinderte nicht selbst entscheiden könnten. Daher stehe in diesem Jahr der Gleichstellungstag zu Recht unter dem Motto „Ich bin entscheidend“. Die Gesellschaft müsse dafür sorgen, dass ein europaweiter Tag der Gleichstellung überflüssig werde.

Das „Vater unser“ (Matthäus 6, 5-13) hat Dekan Ralf Drescher – passend zum Sonntag „Rogate“– in den Mittelpunkt seiner Predigt gestellt.

Ulrike Schneider, Schwäbische Post