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»Es ist normal,
verschieden zu sein«
(Richard von Weizäcker)

„Zu viele Barrieren in den Köpfen“

Behindertenfeschdle in der Greuthalle: Pfarrer Bernhard Richter hält beeindruckende Predigt

Gleich zwei Premieren gibt es beim Behindertenfeschdle. Zum ersten Mal findet es in der Greuthalle statt, um den Unbilden des Wetters der letzten Jahre aus dem Weg zu gehen. Und für Vorbereitung und Organisation vernetzen sich der DRK-Ortsverein Aalen und der Beirat von Menschen mit Behinderung. Mit großem Erfolg, dies gleich vorneweg.


Menschen mit und ohne Handicap konnten beim Behindertenfeschdle unkompliziert miteinander spielen und Spaß haben.

Wenn so richtig herzhaft gelacht wird, wenn ursprüngliche Fröhlichkeit sprichwörtlich aus dem Herzen kommt, dann ist Behindertenfeschdle. „Reden wir nicht übers Wetter. Das Wichtigste ist, dass eines der wichtigsten Feste in Aalen jetzt immer stattfinden kann“, sagt Pfarrer Bernhard Richter, der zusammen mit Pastoralreferent Heinrich Erath für den ökumenischen Gottesdienst verantwortlich zeichnet, in seiner Begrüßung – begleitet von einem vielfachen und sprühenden „Schalom“ der Comboni-Singers.


Gleich zwei Premieren gab es beim Behindertenfeschdle in der Greuthalle in Aalen: Zum ersten Mal fand das Fest indoor statt unter der vernetzten Leitung des DRK-Ortsvereins Aalen und des Beirats von Menschen mit Behinderung. (Fotos: opo)

Als einen „Tag von besonderer Dimension“ bezeichnet Pastoralreferent Erath das Behindertenfeschdle, bei dem viele fleißige Hände von behinderten und nicht behinderten Menschen zusammen wirkten. Zwanzig Vereine, Institutionen und Firmen sind gekommen, um beim „Markplatz der Möglichkeiten“ in der Halle ein gelungenes Junktim aus Spaß und Informationen zu bieten. Die Kinder freuen sich schon, am Glücksrad zu drehen, römische Schreibtafeln zu bauen, sich ein zauberhaftes Konterfrei schminken zu lassen oder auf die Torwand zu schießen. Attraktionen gibt es am laufenden Meter.

Auch für die Erwachsenen und von Behinderung betroffenen oder nicht betroffenen Eltern, die sich über das Angebot der Selbsthilfegruppen, über offene Hilfen, das Angebot im Haus der Jugend oder über Fahrzeugumbauten für Menschen mit körperlichen Einschränkungen und vieles mehr informieren können. „Was für ein schöner Tag heute“, beginnt Pfarrer Bernhard Richter seine Predigt und er setzt hinzu: „Wir brauchen dieses Fest dringend, weil davon ein Signal ausgehen muss, dass Menschen mit und ohne Handicap unkompliziert in der Stadt zusammen leben können“, setzt er hinzu.

Das aufeinander Zugehen, Gemeinsamkeit und gegenseitige Hilfe seien Kraftgeber für den Alltag. Und dies für behinderte wie nicht von Behinderung Betroffene. Richter machte aber auch klar, dass es im Alltag nicht selten leere Worthülsen gebe, die mit praktizierter Solidarität nichts zu tun hätten. „Die Barrieren müssen aus den Köpfen und dafür kann das Behindertenfeschdle der Katalysator sein“, sagt er. Die Richtschnur müsse lauten: „Teile mit den behinderten Menschen dein Leben.“

Jesus Christus habe dies vorgelebt und letztlich gehe es um die praktische Umsetzung. Mit einem Wort von Dietrich Bonhoeffer schloss Richter: „Die Zukunft unseres Christseins besteht aus Beten und dem Tun des Gerechten.“ Matthias Wagner, Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Aalen, dankt dem neuen Team und den vielen fleißigen Helfern, die zum „Marktplatz der Freude“ beigetragen hätten. Stadtkämmerin Daniela Faußner setzt sich in ihrem Grußwort nachhaltig für Integration und Inklusion ein.

Die Stadt Aalen werde diesen Weg konsequent fortsetzen. Auch sei eine Stadt ohne Barrieren oberste Richtschnur im Leitbild. Oswald Tretter vom Beirat von Menschen mit Behinderung ruft auf zur Ideenbörse, um dem Behindertenfeschdle künftig vielleicht einen neuen Namen zu geben. Vor vielen Jahren habe es ein „Festival der guten Taten“ gegeben. Für jeden Vorschlag aus der Bevölkerung sei man dankbar. Der Beirat von Menschen mit Behinderung werde auch künftig ein starkes Rückgrat sein und sich für Verbesserungen in den Bereichen Arbeit, Wohnen und Freizeit einsetzen. „Wir wollen keine Lösungen, die die Stadt in Schulden stürzen. Es sollen Lösungen sein, die verbunden sind mit viel Engagement“, sagt Tretter.

(Lothar Schell, Schwäbische Post - Fotos: opo)