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Barrierecheck Stuttgart: Ostälbler auf großer Fahrt

...nur eine kleine Stufe...
 

„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen …“ Und wenn eine Gruppe mit 25 Personen unterwegs ist, dann erst recht. Die diesjährige Pfingstfreizeit für die ganze Familie führte die Mitglieder des Körperbehindertenvereins Ostwürttemberg (Aalen) in die Landeshauptstadt. Der Verein war bereits in Berlin oder München und so fragte sich mancher, ob die Schwabenmetropole Stuttgart denn eine Reise wert ist. Nach fünf ereignisreichen Tagen stand fest: ein Ausflug nach Stuttgart lohnt sich allemal!

Ein mehrtägiger Vereinsausflug für Menschen mit und ohne Behinderung will gut geplant sein. Zuallererst musste eine barrierefreie Übernachtungsmöglichkeit gesucht und gefunden werden. Vor den Toren Stuttgarts, im Tagungshaus Bernhäuser Forst in Leinfelden-Echterdingen, wurden die Ostälbler fündig. „Ein komplett barrierefreies Haus, freundliche und hilfsbereite Mitarbeiter, eine tolle Atmosphäre zum Wohlfühlen, leckeres Essen“, schwärmten die Teilnehmer begeistert. „Und dass wir für manche Teilnehmer das Essen püriert brauchten, war überhaupt kein Problem. Solche Extras war für die Servicemitarbeiter eine Selbstverständlichkeit. Wir Gäste wurden wirklich wie „Könige“ betreut. Einfach klasse!“ Das Haus empfohlen hatte ihnen der Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung. Den Barrierecheck hat der Bernhäuser Forst mühelos bestanden.

Da auf der Ostalb Busse und Bahnen nur bedingt barrierefrei nutzbar sind, wollten die Vereinsmitglieder die Busse und Bahnen in der Stadt testen. Von Mal zu Mal wurden sie sicherer, beim Ein-, Aus- und Umsteigen. Und immer wieder tauchten Barrieren auf: der defekte Aufzug in der Haltestelle Stadtmitte etwa oder in Zuffenhausen die Spaltenbreite zwischen Bahnsteig und Fahrzeugkante sowie die bis gut 20 cm Höhendifferenz. Gemeinsam und mit Muskelkraft schafften sie es, dass auch die Rollifahrer ans Ziel gelangten. Fazit: „Manchmal hätte uns schon ein gut lesbarer Hinweis geholfen, die stufenlose Wege zum Bahnsteig zu finden.“ Und ein anderer meinte: „Vorher hatte ich schon ein bisschen Angst, mit Bus und Bahn zu fahren. Jetzt würde ich mir das aber doch auch allein zutrauen.“

Auf dem Besuchsprogramm stand das Porschemuseum („klasse“), der Flughafen („interessant, aber die Busse für die Besuchertouren sind nicht rolligerecht“), der Fernsehturm („toller Blick auf Stuttgart, da die Brüstung zu hoch ist, sahen die Rollifahrer von ihren Sitzen aus nichts. Das war schade.“). Mit dabei waren die Ostälbler auch bei der großen Geburtstagsgala zum Landesjubiläum „60 Jahre Baden-Württemberg – wir gratulieren“ mit Schlagersängerin Andrea Berg, das der SWR gemeinsam mit dem Land auf dem Stuttgarter Schlossplatz organisierte. Das Pfingstwetter war ideal für ein solches open air Festival. Die Rollifahrer hatten auch tolle Plätze ziemlich vorne. Aber: „dann strömten die Fans nach vorne bis an die Absperrung – und wir haben dann gar nichts mehr gesehen. Es war dann total eng. Das machte uns teilweise Angst. Aber live dabei zu sein, das war schon toll.“

Bevor es am Mittwoch wieder zurück auf die Alb ging, besuchte die Gruppe noch den Landtag. Bei der Führung durften sie dann Platz nehmen auf den Abgeordnetenbänken im Plenarsaal und im Rollenspiel eine Landtagssitzung erleben. Da hieß es dann wie im richtigen Leben klare Ziele formulieren, Mehrheiten suchen, abstimmen. Auf der fiktiven Tagesordnung stand „Wahl eines Ministerpräsidenten“. Der Landtag hat den Barrierecheck übrigens nur bedingt bestanden, denn: Rollifahrer könnten Landtagsabgeordnete sein, da der Plenarsaal stufenlos ist. Ministerpräsident oder Minister ginge nicht, denn: eine kleine unüberwindbare Stufe trennt die Regierungsbank von den Abgeordnetenreihen...

Foto:
Treffpunkt Lobby im Landtag: ein Ort, an dem ranghohe Landespolitiker normalerweise Interviews geben. Mitglieder des Körperbehindertenverein Ostwürttembergs blickten hinter die Kulissen.
Foto groß

Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung
Baden-Württemberg e.V.