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»Es ist normal,
verschieden zu sein«
(Richard von Weizäcker)

Mit Handicap auf Tour

Körperbehinderte testen Diverses auf Barrierefreiheit

Bei einer Exkursion für Menschen mit und ohne Behinderung stand der Test von Bussen, Bahnen, öffentlichen Einrichtungen sowie Restaurants und eines Hotels auf dem Programm des Körperbehindertenvereins Ostwürttemberg. Höhepunkt war der Besuch des Stuttgarter Landtags – mit einem überraschenden Ergebnis.

„Das ist komplett barrierefrei, die Mitarbeiter sind freundlich und hilfsbereit“, schwärmten die Mitglieder des Körperbehindertenvereins Ostwürttemberg über das Tagungshaus „Bernhäuser Forst“. Der nahegelegene Flughafen präsentierte sich den Behinderten bei ihrer Exkursion und ihren Tests fast ohne Fehl und Tadel. Nur die Busse für Besuchertouren waren nicht „rolli-gerecht“.

Lediglich ein „noch befriedigend“ erhielten die Busse und Bahnen der Stadt. Das Porsche-Museum zeigte sich den mit und ohne Rollstuhl angerückten Ostälblern dann wieder geradezu vorbildlich. Der Fernsehturm dagegen bot eine Enttäuschung: Wegen einer zu hohen Brüstung war die Sicht für die sitzenden Besucher deutlich eingeschränkt.

Während bei der Geburtstagsgala des SWR durch vorrückende Zuschauer eher Platzangst aufkam, bildete der Besuch des Landtags den abschließenden Höhepunkt. Die Geschäftsführerin des Landesverbandes für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung, Jutta Pagel-Steidl, hatte dies ermöglicht. Sie freute sich in ihrer Begrüßung: „Überall wird derzeit über Inklusion diskutiert. Der Körperbehindertenverein Ostwürttemberg lebt Inklusion auf wunderbare Weise.“ Bei seiner Tour durch Stuttgart zeige der Verein alltägliche Barrieren auf, die die Teilhabe erschweren.

Bei der Führung im Landtag durften die Gäste auch die Abgeordnetensitze testen und eine Landtagssitzung simulieren. Bei diesem Test hätte ein gehandicapter Ministerpräsident allerdings im stufenlosen Plenarsaal bleiben müssen und von dort „regieren“. Denn zur Regierungsbank führt der Weg über eine für Rollstuhlfahrer unüberwindliche Stufe.

Der Vorstandsvorsitzende des Körperbehindertenvereins Ostwürttemberg, Dieter Hebel, kommentierte die Ergebnisse der Testtour: „Was wir bei rein zufällig ausgewählten Objekten an Barrieren für Menschen mit Behinderung entdeckt haben, ist nur die Spitze des Eisbergs. Es gibt noch viel zu tun.“

(Schwäbische Post)