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»Es ist normal,
verschieden zu sein«
(Richard von Weizäcker)


Körperbehindertenverein Ostwürttemberg - Mitgliederversammlung 2013

40 Jahre Selbsthilfe für Menschen mit Körperbehinderung

Gründungsmitglieder geehrt

Die diesjährige Jahreshauptversammlung des Körperbehindertenvereins Ostwürttemberg e.V. im Kellerhaus in Oberalfingen war gleichzeitig der Auftakt zum Jubiläumsjahr. Vor dem gemeinsamen Abendessen wurden die anwesenden Gründungsmitglieder geehrt, die vor 40 Jahren den Verein initiiert hatten. Der 1. Vorsitzende Dieter Hebel sprach ihnen im Beisein der Geschäftsführerin des Landesverbands für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg, Jutta Pagel-Steidl, seine Anerkennung aus. Er betonte, man könne heute nur erahnen, mit welchen Schwierigkeiten die ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer der ersten Stunde damals noch zu kämpfen hatten.

 
Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums erhielten die Gründungsmitglieder des Körperbehindertenvereins Ostwürttemberg von der Geschäftsführerin des Landesverbandes für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg, Jutta Pagel-Steidl, eine Ehrenurkunde. Von links: 1. Vorsitzender Dieter Hebel, Andy Neuhäuser (sitzend, in Vertretung seines Vaters Hugo Neuhäuser), Sieglinde Stimmler, Hansjörg Teufert, Konrad Hügler, Jutta Pagel-Steidl und 2. Vorsitzender Oswald Tretter.

Welche Wertschätzung und Bedeutung der Verein in Ostwürttemberg und darüber hinaus heute hat, zeigen die Grußworte aus Politik, Wirtschaft, Dienstleistung oder Sport in der Jubiläumsbroschüre, die zu diesem Anlass vorgestellt wurde und die Interessierte über den Verein erhalten können. Die Landesministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren, Katrin Altpeter, erinnerte an die Vorurteile der Gesellschaft gegenüber Menschen mit Behinderung vor 40 Jahren: „Die Ehrenamtlichen haben viele positive Veränderungen und Entwicklungen angestoßen. Dafür möchte ich Ihnen allen aufrichtig danken und dem Körperbehindertenverein Ostwürttemberg meine herzlichsten Glückwünsche zu seinem 40-jährigen Bestehen aussprechen.“

Gerd Weimer, dem Beauftragten der Landesregierung für die Belange behinderter Menschen, war es eine Ehre und Freude dem Körperbehindertenverein Ostwürttemberg zu seinem 40. Geburtstagsjubiläum zu gratulieren: „Ihrem unermüdlichen Engagement zur Beseitigung vorhandener Barrieren nicht nur baulicher Natur, sondern vielmehr die, die wir noch in den Köpfen der Menschen finden, zolle ich höchsten Respekt.“

Der Landrat des Ostalbkreises, Klaus Pavel, ist froh und dankbar darüber, das gerade auch der Körperbehindertenverein Ostwürttemberg seit nunmehr 40 Jahren dazu beiträgt, ehrenamtliches Engagement anzuregen und zu stärken und den Menschen mit körperlichen Handicaps und ihren Familien notwendige Hilfestellungen gibt: „Zum 40-jährigen Jubiläum gratuliere ich ganz herzlich und sage Danke für die wertvolle und unerlässliche Hilfe in den vergangenen vier Jahrzehnten.“

Martin Gerlach, Oberbürgermeister der Stadt Aalen, gratulierte den Mitgliedern und Aktiven des Körperbehindertenvereins Ostwürttemberg sehr herzlich zum 40-jährigen Bestehen: „Seit 40 Jahren engagieren Sie sich unermüdlich für die Gleichberechtigung, selbstbestimmte Lebensgestaltung und Chancengleichheit für Menschen mit Behinderung.“ Oberbürgermeister Karl Hilsenbeck sieht für Ellwangen auch die Stadtverwaltung in der Pflicht: „Eine behindertengerechte Stadt ist eine menschengerechte Stadt, die allen behinderten und nichtbehinderten Bürgern und Besuchern die gleichberechtigte Teilnahme am sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben ermöglichen soll.“ „Die Bedürfnisse von behinderten Menschen und Senioren kann keine Sache des Rathauses beziehungsweise der Verwaltung sein, sondern kann nur mit Unterstützung und dem Sachverständnis der Bürgerschaft umgesetzt werden“, betonte Schwäbisch Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold.

„Nicht behindert zu sein ist wahrlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das von uns jederzeit genommen werden kann.“ Mit diesem Zitat Richard von Weizäckers sprach Manfred Pawlita, der Vorsitzende des Sportkreises Ostalb, seine Glückwünsche zum 40. Geburtstag des Körperbehindertenvereins Ostwürttemberg aus. Der Geschäftsführer des Bundesverbandes für körper- und mehrfachbehinderte Menschen, Norbert Müller-Fehling, grüßte den Jubilar mit den Worten Victor Hugos: „Nichts ist stärker als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“ Carl Trinkl, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Ostalb sprach seine herzlichsten Glückwünsche und große persönliche Anerkennung den Vereinsmitgliedern und Verantwortlichen aus: „Was Sie leisten, verdient unser aller Respekt und ist unverzichtbar, wenn es darum geht, Menschen mit körperlichen Einschränkungen in unsere Gesellschaft zu integrieren, ihnen Gehör zu verschaffen und ihnen zur Seite zu stehen.“

Für den Hauptgeschäftsführer der IHK, Klaus Moser, ist die Integration von Menschen mit Behinderung ins Arbeitsleben ein entscheidender Punkt: „Bei Unternehmen, die Behinderte beschäftigen, ist festzustellen, dass diese Betriebe auf die Handicaps und deren Besonderheiten eingehen. Häufig reichen kleinere Anpassungen, um einen Arbeitsplatz beispielsweise für einen Rollifahrer einzurichten.“ Ambulant begleitetes Wohnen ist ein wichtiges Projekt von Thomas Buchholz, dem Schulleiter der Konrad-Biesalski Schule in Wört: „Mittlerweile wohnen 32 Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderungen in unseren Wohngemeinschaften. Ihnen wird ein weitgehend selbstständiges Leben mitten in der Gesellschaft ermöglicht. Wobei ihnen eine verlässliche Begleitung in allen Lebenslagen geboten wird.“

Professor Dr. Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen sieht Mängel in der Arzneimittelversorgung: „Was für die etwa 11 Millionen Kinder in Deutschland üblich ist, gilt offenbar nicht für die etwa 10 Millionen Menschen mit Behinderung. Während bei der ersten Gruppe sorgfältig geprüft wird, wie die Arzneimittelpackungen sicherer gemacht werden können, wird keinesfalls im gleichen Umfang geprüft, ob die Arzneimittelpackungen auch behindertengerecht gestaltet sind.“ Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER GEK, kennt den Stellenwert der Selbsthilfegruppen: „Die Gesundheitsselbsthilfe ist eine wichtige Säule des gesundheitlichen Versorgungssystems und sie verfügt über eine hohe Wertschätzung in der Bevölkerung.“

Der 1. Vorsitzende des Körperbehindertenvereins Ostwürttemberg, Dieter Hebel, lädt in seinem Ausblick zu einem großen Musik-, Tanz- und Rollstuhlballett-Fest am 28. Juni 2014 in die Stadthalle Aalen ein. Dort tritt auch die Junge Philharmonie auf, deren Chefdirigent Uwe Renz den Taktstock auch dem Dirigenten Benedikt Lika überlässt, der kleinwüchsig ist und im Rollstuhl sitzt. Und als weitere Überraschung kündigt Hebel die Anschaffung eines Elektrorads als Rollstuhltransporter aus Spendenmitteln für den Mai dieses Jahres an. Der offizielle Festakt zum 40-jährigen Jubiläum findet am Abend des 12. Juni 2013 im großen Sitzungssaal des Landratsamtes in Aalen statt. Mit dabei ist Gerd Weimar, der Beauftragte der Landesregierung für die Belange behinderter Menschen. Er schließt damit einen ganztägigen Besuch in der Region Ostwürttemberg ab, der ihn auch in die Konrad-Bisalski Schule führt.

Gerhard Heussler