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»Es ist normal,
verschieden zu sein«
(Richard von Weizäcker)

 

Verein zeigt 35 Jahre Mut und Ausdauer

Der Körperbehindertenverein Ostwürttemberg hat gestern Nachmittag im Aalener Rathaus sein 35-jähriges Bestehen gefeiert. Im Rückblick lobten alle Geburtstagsgäste das soziale Engagement der Mitglieder. Der Verein entstand aus der Not heraus, um für Menschen mit Behinderung gleiche Rechte wie für die ohne Behinderung durchzusetzen.

Der Verein entstand aus der Not heraus, um für Menschen mit Behinderung gleiche Rechte wie für die ohne Behinderung durchzusetzen. Chancengleichheit scheint nach Aussage der Mitglieder vor 35 Jahren für viele Verantwortliche und Mitbürger in der Stadt ein Fremdwort gewesen zu sein. Aus heutiger Sicht unverständlich: Eltern trauten sich damals mit ihren behinderten Kindern nicht in die Öffentlichkeit.-"Es ist normal, verschieden zu sein", das Zitat des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker hat sich der Verein auf die Fahnen geschrieben und will dies auch leben.

Dank für großes Engagement

Vereinsvorsitzende Bettina Ortwein unterstrich das langjährige Bemühen ihrer Organisation um die Integration behinderter Menschen, damals insbesondere im Kindergarten- und Schulbereich, heute zusätzlich bei der Eingliederung in den Ersten Arbeitsmarkt. Der stellvertretende Sozialdezernent der Stadt, Franz Wiedenhöfer, lobte den Willen der Vereinsmitglieder, den Selbsthilfegedanken in die Tat umzusetzen und mit ehrenamtlichem Engagement gemeinsame Ziele zu verfolgen. "Verlören wir das Wohl anderer Menschen aus dem Auge, wäre dies so, als ob wir auf einem Auge blind wären", betonte Wiedenhöfer. Für die Stadt versprach er, weiterhin den Verein tatkräftig zu unterstützen.

Auch Landtagsabgeordnete Ulla Haußmann lobte den Verein. Wenn es ihn nicht gäbe, müsste er sofort gegründet werden, meinte sie und zeigte sich beeindruckt, mit welcher Hartnäckigkeit "dickste Bretter gebohrt" worden sind. Mut und Ausdauer bedürfe es, um die Rechte Behinderter durchzusetzen. "Behinderung ist kein Segen, aber Betroffene haben das Recht auf Teilhabe", betonte die Geschäftsführerin des Landesverbandes Jutta Pagel-Steidl. Ausdrücklich anerkannte sie die Arbeit des Vereins, der viel erreicht habe. Beispielhaft sei-die Bahnunterführung bei der "Neuen Welt", aber auch der soziale Zusammenhalt. Dennoch sei Barrierefreiheit nicht Alltag. So bezeichnete sie den Zugang zum Rathaus als Zumutung. "Wie lange müssen Behinderte noch den Lieferanteneingang benutzen?", fragte sie. Vorstandsmitglied Oswald Tretter verdeutlichte, was die meisten dachten: "Wir lassen uns den Mund nicht verbieten, bis Menschen mit Behinderung gleiche Rechte haben."

(Aalener Nachrichten)