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»Es ist normal,
verschieden zu sein«
(Richard von Weizäcker)

Ein ganz besonderes Konzert

Der behinderte Benedikt Lika wird die JPO am 28. Juni in der Aalener Stadthalle dirigieren

Die Junge Philharmonie Ostwürttemberg geht immer wieder neue Wege. In diesem Jahr wird das Ensemble am 28. Juni im Rahmen des Sommerprojektes unter dem Dirigat des körperbehinderten Benedikt Lika konzertieren. Die Veranstaltung in der Aalener Stadthalle ist ein Kooperationsprojekt mit und für den Körperbehindertenverein Ostwürttemberg e.V., der 2014 sein 40-jähriges Bestehen feiert.


Junge Musikerinnen und Musiker aus der Region spielen auf hohem Niveau gemeinsam. Seit 24 Jahren gibt es die Junge Philharmonie Ostwürttemberg, die mit ihren Konzerten Musikliebhaber in der Region begeistert. (Fotos: JPO)

Abitur, Studium der Musikwissenschaft und Kunstgeschichte, ein Meisterkurs im „Dirigieren.“ Die Vita des 31-jährigen Benedikt Lika liest sich wie die eines jungen Menschen, der mit musikalischem Talent gesegnet ist. Das ist Benedikt Lika auch.

Doch nicht nur dieses außergewöhnliche Talent unterscheidet Lika von vielen anderen Menschen. Der Augsburger sitzt im Rollstuhl. Lika hat Mukopolysaccharidose, ist aufgrund dieser Stoffwechselstörung kleinwüchsig, sitzt im Rollstuhl und benötigt im Alltag Sauerstoff. Dass ihn das nicht daran hindert, ein Orchester zu dirigieren, wird er am 28. Juni, 19 Uhr, in der Aalener Stadthalle zeigen. Dort wird Benedikt Lika die Junge Philharmonie Ostwürttemberg (JPO) dirigieren, die dort ein Benefizkonzert zugunsten des 40-jährigen Bestehens des Körperbehindertenvereins veranstaltet. „Die Veranstaltung ist in dieser Form einmalig und eine Anerkennung der Arbeit derjenigen, die eine Behinderung haben“, freut sich Landrat Klaus Pavel. Zudem könne man den Jungen dadurch auch zeigen, was Inklusion (gleichberechtigte Teilhabe an allen gesellschaftlichen Prozessen, Anm. der Red.) bedeute.


Benedikt Lika wird die JPO in Aalen dirigieren.

Doch nicht nur Lika soll zeigen, dass Menschen mit einer Behinderung genauso leistungsfähig sind wie alle anderen, so Pavel. Ein Teil des Konzertes wird zudem von der Rolligruppe des Körperbehindertenvereins mitgestaltet. Diese soll unter der Leitung von Silvia Scherer beim Tanz zeigen, wie beweglich und musikalisch Menschen mit Behinderung sind, erklärt Dieter Hebel, Vorsitzender des Körperbehindertenvereins. „Da wird im Moment kräftig trainiert.“ Mit im Programm ist auch die Ballettabteilung der Jugendmusikschule unter der Leitung von Raina Hebel.

Dass es zu dieser ungewöhnlichen Kooperation überhaupt kommen konnte, sei auch dem Dirigenten der Jungen Philharmonie Uwe Renz zu verdanken. Er habe bei der Anfrage sofort zugesagt: „Da bin ich mit Herz dabei“, zitiert Hebel den Dirigenten. „Da war das Eis gebrochen.“ Der Körperbehindertenverein sei dankbar dafür, dass sich die Jungen Musiker so für dessen Belange einsetzen würden. „Wir hoffen mit dieser Veranstaltung die Inklusion in die Herzen der Menschen zu bringen“, sagt Dieter Hebel. Sie solle beispielhaft zeigen, dass diese auch nach außen funktioniere.


Solistin Marlene Pschorr spielt das Hornkonzert von Glière.

Dazu beitragen werden in jedem Fall auch die rund 70 Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 14 und 24 Jahren aus der Region, die das Bild der Philharmonie prägen. „Wir sind froh, diesmal ein richtig romantisches Programm präsentieren zu können“, so Orchestermanager Bernhard Schwarz. Dieses Programm zusammenzubringen mit dem Ballett und dem Rollstuhlballett, sei eine schöne Herausforderung.

Gespielt wird zum Auftakt die Overtüre zur Operette „Die Fledermaus“, die in Aalen von Benedikt Lika dirigiert wird. „Das wird spannend, weil es in aller Ohren ist“, freut sich Schwarz. Danach gehört die Aufmerksamkeit der jungen Solistin Marlene Pschorr, die das Hornkonzert in B-Dur op. 91 (1950) von Reinhold Glière spielen wird. Die Musikerin gehörte jahrelang zur JPO und spielt heute beim Radiosinfonieorchester in Stuttgart: „Es ist schön zu sehen, wie gerne sie zurückkommt“, sagt Schwarz. Romantisch weiter geht es in Aalen mit Humperdincks „Hänsel und Gretel“, der Arie des Sandmanns, dem Abendsegen und der Traumpantomime, in Aalen wiederum von Benedikt Lika dirigiert.

Neuland betritt die JPO mit der Sinfonie Nr. 1 von Johannes Brahms: „Wir haben uns lange geziert, Brahms zu spielen“, so Schwarz. Nun passe es aber sehr gut.

Dass man mit dem Konzert ein ganz besonderes kulturelles Highlight schafft, davon sind auch die beiden Geschäftsführer der JPO Holger Kreuttner und Judith Bildhauer überzeugt. Allein die Besetzung dürfe wohl für einen hohen Grad an Interesse sorgen, ist sich Holger Kreuttner sicher.

Dagmar Oltersdorf, Schwäbische Post