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»Es ist normal,
verschieden zu sein«
(Richard von Weizäcker)

Kegeln mit Handicap

Beim Kegelclub Schrezheim sind Menschen mit und ohne Behinderung auf der Bahn beim Freizeitprogramm des Körperbehindertenvereins.

Ellwangen-Schrezheim Wir würden gerne mal mit Profis kegeln“, das sei der Wunsch gewesen, der ihm aus den Reihen der Mitglieder des Körperbehindertenvereins Ostwürttemberg zugetragen worden sei, sagt Oswald Tretter. Daraus entstanden ist vor vier Jahren ein Kegelnachmittag im Kegeltreff am Kloster beim Kegelclub Schrezheim. Zu dem hatte Kegel-Projektleiter Tretter über Birgit Schneider schnell Kontakt gefunden, als er die begeisterte Kegelsportlerin beruflich bedingt kennengelernt hatte. Birgit Schneiders Tochter Simone ist Bundesligakeglerin, sie selbst ist zweifache deutsche Meisterin bei den Senioren. Seit 2013 wird einmal im Jahr gemeinsam gekegelt. Am Samstag waren gut 30 Gäste – Mitglieder, Freunde und Verwandte des Vereins – zum vierten Mal auf der Anlage zu Besuch, kegelten vier Stunden lang mit großer Begeisterung.


Mit ein bisschen Unterstützung und der Kegelschiene kann beim KC Schrezheim wirklich jeder Kugeln auf der Bahn schieben, ob körperlich eingeschränkt oder nicht. Foto: Leidenberger

„Wir haben damals gleich gesagt, kommt zu uns, bei uns ist alles ebenerdig gebaut, wir haben auch eine Behinderten gerechte Toilette“, sagt Brigit Schneider. Auch Vereinsvorsitzender Julius Sanwald findet den gemeinsamen Kegelnachmittag „eine tolle Sache“. „Wir haben beim Bau des Kegeltreffs vor elf Jahren extra darauf geachtet, dass alles Behinderten gerecht gebaut wird“, sagt er. So können auch Rollstuhlfahrer problemlos auf die Bahnanlage.

Nur: Wie soll die Kugel aus dem Sitzen heraus am Boden geschoben werden? Für Menschen mit eingeschränkter Motorik wird das schwierig, weswegen der Körperbehindertenverein eine spezielle Kegelschiene mitbringt, wie Tretter erläutert. Die ist aus Metall oder Holz und bildet eine schräge Ebene als Laufschiene für die Kugel. „Der Spieler kann ohne sich zu bücken die Laufrichtung der Kugel bestimmen“, erklärt Tretter. Erst dadurch wird das Spiel wirklich allen ermöglicht.

„Vielleicht spielen wir auch mal ein inklusives Turnier“, schlägt Tretter vor, bei dem alle Teilnehmer, ob mit oder ohne Handicap, mit der Kegelhilfe spielen – um für alle gleiche Bedingungen zu schaffen.

Dazu und damit in Zukunft wirklich jeder, der will, im Kegeltreff Kugeln schieben kann, überreichte Tretter den KC-Vereinsverantwortlichen eine neue Kegelhilfe aus Aluminium, als Spende seiner Firma „Bad Tretter“ an den Verein. „Jetzt kann bei uns auch keiner mehr sagen, er kann heute nicht spielen, weil er es mit den Knien hat“, schlägt Birgit Schneider den Bogen zu den Kegel-Profis ohne Handicap.

„Wir freuen uns natürlich, wenn sich ein Sportverein für Menschen mit Behinderung einsetzt“, sagt Dieter Hebel, der Vorsitzende des Körperbehindertenvereins. Der Kegelnachmittag sei eine tolle Ergänzung im ganzjährigen Freizeitangebot seines Vereins.

Benjamin Leidenberger, Schwäbische Post