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»Es ist normal,
verschieden zu sein«
(Richard von Weizäcker)

Miteinander-Feschdle

Kommunikation ohne Scheuklappen

Sprühende Atmosphäre beim „Miteinander-Feschdle“ in der Ulrich-Pfeifle-Halle

Eigentlich ist es schon das 34. Fest. Aber „Behinderten-Feschdle“ ist dick durchgestrichen, das „Miteinander-Feschdle“ feiert Premiere. Eine ganz sprühende und natürliche, so sollte es im Alltag immer sein. Ohne Scheu, ohne mentale Barrieren.


Die „New Generation“ von der Oberkochener Narrenzunft bei ihrem Auftritt. (Fotos: Oliver Giers)

Man reicht sich die Hände im Gottesdienst. Man tanzt zusammen, sprühende Lebensfreude – von Menschen mit Behinderung transportiert. Das „Miteinander-Feschdle“ ist – wie eigentlich immer – eine sensibel dosierte Mischung aus Information und Unterhaltung. Ein Kernpunkt ist, auch wie immer, der gemeinsame Gottesdienst zum Auftakt. Pfarrer Bernhard Richter und Pastoralreferent Heinrich Erath geht es um Sprache als Mittler für ein förderliches Zusammenleben. Kommunikation ohne Scheuklappen, sich austauschen, vor allem aber sich wahrnehmen.

Für eine Gruppe von Gehörlosen wird der Gottesdienst in Gebärdensprache transponiert. „Es ist normal, verschieden zu sein“, sagte einmal der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Jeder habe schließlich mit Hindernissen im Leben zu kämpfen. Pfarrer Bernhard Richter legt den Behindertenbegriff in der Weise aus, wie man ihn sehen muss. Und im Gottesdienst kommt deutlich rüber, dass das Aufeinander-zugehen der erste Mosaikstein für Akzeptanz ist. Der Chor „Charisma“ bindet die Worte musikalisch feinfühlig zusammen.

Von Integration ist die Rede, von Inklusion. Beim Miteinander-Feschdle erlebt man die Praxis. Inklusionspartner sind mit dabei. Die Narrenzunft Oberkochen zum Beispiel, die Schlaggawäscher haben beim Auf- und Abbau geholfen. Die Sechstklässler vom Schubart-Gymnasium verkaufen Kuchen. Die Behindertenkoordinatorin des Landkreises Petra Pachner moderiert das Bühnengeschehen.

Einfach grandios ist der Auftritt der „Wilden Hühner“ von der Jagsttalschule Westhausen. Die Trommelgruppe der Hermann Hesse Schule haut auf die Pauke und die Schülerfirma „Schülerschmiede“ feiert Premiere beim „schönsten Fest des Jahres“, wie Pfarrer Richter meint. Der Körperbehindertenverein Ostwürttemberg präsentiert seine Rollstuhltänzer und draußen vor der Halle flitzt KBVO-Vorsitzender Dieter Hebel mit einem Begleiter mit dem „Velo-Plus“, dem neuen Rollstuhltransporter des Vereins, über den Greutplatz.

Im Inneren der Halle informieren Vereine und Organisationen über ihr Angebot. Vom Feinsten der Auftritt der Tanzschule Rühl. Grußworte sprechen Matthias Wagner vom DRK-Ortsverein Aalen, Bürgermeister Wolf-Dietrich Fehrenbacher und Silke Kiesewetter vom Beirat von Menschen mit Behinderungen. „Lombapack“ lässt es krachen und „New Generation“ von der Oberkochener Narrenzunft erhalten kaum enden wollenden Beifall. Wer es lieber etwas beschaulicher will, der lauscht den Geschichten von Olaf Paplowski. Die Mischung stimmt, für jeden ist etwas dabei.

Lothar Schell, Schwäbische Post


Selbstversuchsparcours: Kristin versucht als Nichtrollstuhlfahrende Slalom zu fahren. Kerstin Abele schaut zu.